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  • 22.04.2017 00:33 - Der überstandene Winter
von Flocki in Kategorie Geschichten.

22.04.2017

Vor einigen Tagen taute der letzte Schnee weg. Nur einige dreckige Resthaufen findet man in den Ecken und an den Zäunen. Es war eine schwere Zeit für mich. Der Schnee lag ja bis dreißig Zentimeter hoch und kühlte meinen Bauch ganz schön ab. Die Beine sind eben viel zu kurz für diesen hohen Schnee. Mich würde es mal interessieren, was so die Hochgebirgskatzen in den Alpen machen. Da liegt ja der Schnee meterhoch! Haben die Teleskopbeine oder buddeln die sich durch den Schnee Gänge, wie es momentan die Mäuse tun? Das konnte mir noch niemand erklären. Nur Achselzucken erntet man auf die vielen Fragen. Ach ja, die Mäuse. Man findet einfach keine mehr. Wenn das Fressen nicht so schmeckte, habe ich mir immer mal so ein Tierchen dazugefangen, doch der hohe Schnee macht alles zunichte, ja sogar mich, dem Kater, machen die Mäuse zum Löffel!. Die wissen genau, daß ich sie nicht durch den Schnee riechen kann, deswegen fühlen sie sich sicher und foppen mich laufend. Na nun hat das Elend endlich ein Ende und ich kann blutige Rache an das vermaledeite Mäusevolk üben.!!!
War ja eine trostlose Zeit, als der Schnee jeden Morgen frisch dalag: Alle meine Katzenpfade waren unpassierbar geworden, die Briefkästen und Litfaßsäulen die wir Katzen mit unseren neuesten Nachrichten markieren (bepinkeln) waren leer oder hatten nur alte Nachrichten parat..Ich muß schon sagen, es war eine schwere und langweilige Zeit.
Nun, da kein Schnee mehr liegt, kann man als Kater endlich wieder das Neueste aus dem Katzeninternet erfahren. Alle gängigen und markanten Bäume, Sträucher, Zaunecken oder Mülltonne, ja sogar Autoreifen und Hausecken sind mit frischen Nachrichten versorgt. Die Gegend duftet überall von den Nachrichten liebestoller Katzen und Kater. Ja und ich muß da doch dabei sein. Seit drei Tagen habe ich meinen Tagesablauf umgestellt : Abends geht es raus zu den Mietzen und und morgens bin ich voller Erlebnisse und völlig ermüdet wieder da. Da wird kurz was gefressen, geschlafen bis Abend und dann geht es wieder raus zur Wohngebietsfete. Macht schon Spaß, das frohe Jugendleben, wenn nur die Weiber nicht immer so laut kreischen würden.... so mancher genervte Mensch nutzt her die Gelegenheit und leert sein übervolles Nachtgeschirr über uns arme Kater aus. Iiiihhhh. Na gut, es regnet zur Zeit, so daß im Laufe der Nacht die Brühe auf unser Fell wieder abgewaschen wird!!!
Uff, mein Mensch hat nichts gemerkt von meinem Unglück. Er ist ja froh, wenn ich sonst unversehrt nach Hause komme. Aber da kann er sich beruhigen: Über die Straße gehe ich nicht. Mein Revier im Garten und im Wald ist groß genug, so daß ich nicht auf die gefährliche Straße muß. Das soll aber nicht heißen, daß es im Wald ungefährlicher für mich ist. Mein "Freund", der alte Fuchs, der sich im Wald eine Höhle gebuddelt hat, stellt mir immer gern nach. Da muß ich beim Wegrennen so manchmal den Nachbrenner "reinhauen", d.h. ich muß meine vier Beine ganz schön schnell bewegen. Es ist schon erstaunlich, was so für Reserven in solche alten Fuchsknochen stecken. Einmal hätte er mich doch fast erwischt. Das war, als ich in seinem Revier eine Schermaus auflauerte. An so einem Viech ist ja nicht viel dran, als daß es sich lohnt, sein Leben in Gefahr zu bringen. Aber die Kleine roch so gut....., wie Eure frischen Brötchen vom Bäcker. Hmmmm. Ja und da vergaß ich mal einen kurzen Augenblick die Vorsicht und dieser Klapser konnte sich wirklich hautnah an mich heranschleichen..... Aber da lief mir in letzter Minute ein riesiger Schreck durch die Glieder und ehe ich es mich versah, hing ich am nächsten Baum! Tief unten hopste wuterfüllt mein "Freund" der Fuchs herum und ich verstand die menschliche Redewendung, "dem Fuchs hängen die Trauben zu hoch". Naja, die menschliche Phantasie ist mir so oft fremd, als daß ich mich nicht weiter damit auseinandersetzen will.
Zum Glück kamen aber zwei Hundesklaven mit ihren angeleinten Bellos vorbei und mein wütender Bewacher nahm schleunigst Reißaus.Sie absolvierten gerade ihren Morgenspaziergang! Mein Gott, wie armselig muß es so einem Leinentier zu Mute sein? Immer nur dann rausdürfen, wenn sein Menschlein Lust, oder mal keine Wehwehchen hat mit ihm spazieren zu gehen? Schrecklich die Vorstellung, ich müßte ebenfalls mit Mensch, Leine und auf zivilisierten Pfaden meinen zweimaligen täglichen Spaziergang zwecks "Lokusgang" tätigen ! Nur gut, daß ich ein Kater bin und intelligent genug bin, um auf mich selbst aufzupassen zu können. Das ist schon ein paradiesisches Leben, was ich hier so habe: Ich komme und gehe, wenn ich will. Das Wetter ist mir egal. Das einzige Hindernis sind nur die Türen. Doch die öffnen sich wie fast von selbst, wenn ich mich in eindeutiger Haltung davor hinsetze. Manchmal muß ich mir mal ein forderndes "Mauuui" aus den Zähnen quetschen um meinen Willen zu unterstreichen, aber sonst klappt es mit meinen Menschen schon. In deren Erziehung habe ich in den letzten zwei Jahren viel Schweiß vergossen, aber nun kann ich die Früchte meiner Mühen ernten. Ein entsprechend dosiertes "Mauuui", der Wichtigkeit meines Willens angepaßt, reicht aus, daß sie sich beide meine Menschen gegenseitig übertreffen, meine Wünsche zu erfüllen. Die Oma kann die ganze Nacht nicht schlafen wenn sie weiß, ich treibe mich draußen rum. Dabei springe ich doch auf das Schlafzimmerfensterbrett um jaule die gesamte Nachbarschaft heraus, wenn ich nach Hause gekommen bin. Opa rennt zum Futternapf und füllt ihn mit frischem Futter, nur daß es dem lieben Willy gut geht!!!! Na und das tut es mir!!! Mau mau !!!!

Das ist der wärmste Platz in der Wohnung (Fensterbrett über die Heizung)



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